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Helfer holen Alte, Kranke und Kinder aus dem Krieg

Flucht Mit zwei Reisebussen sind Frauen und Männer von Augsburg an die ukrainische Grenze gefahren.

Der Hilfstransport wurde von einem Arzt und medizinischem Personal begleitet.

 

Artikel aus der Augsburger Allgemeine

Foto: Marion Buk-Kluger

Foto: Marion Buk-Kluger

Foto: Marion Buk-Kluger

So voll war der Frühstücksraum des Augsburger Hotels Alpenhof wohl schon lange nicht mehr. 134 Frauen, Kinder und alte Menschen konnten sich am Sonntagabend nach mehr als 30 Stunden im Bus in dem Hotel stärken. Die Herberge spendierte ihnen ein Abendessen, bevor es weiter in eine Unterkunft in der Innenstadt ging. Der Augsburger Philipp Blobel hat die Menschen gemeinsam mit Freunden und Helfern über die rumänische Grenze aus der Ukraine geholt. Seine Tour führte ihn bis ins Kriegsgebiet, wo er unter anderem mit dem Gouverneur der ukrainischen Region Tscherniwzi über die Vertreibung und die Möglichkeiten deutscher Hilfe sprechen konnte.

Mit zwei Reisebussen und einem Transporter waren die Helfer am Donnerstag von Augsburg aus in Richtung Ukraine aufgebrochen. An Bord: Medikamente, medizinische Güter und 20 Dieselgeneratoren sowie Lebensmittelpakete. Die Aktion wurde vom Lions Club Augsburg Elias Holl und Rotary Friedberg sowie Unternehmen und Privatpersonen unterstützt und finanziert. Die Spenden für den Hilfseinsatz betrugen 61.300 Euro. Zu-dem stellte das Busunternehmen Hörmann Reisen zwei Reisebusse kostenlos zur Verfügung. Die sechs Fahrer, die sich auf den fast 5000 Kilometern abwechselten, arbeiteten vier Tage lang ehrenamtlich, wie ihr Chef, Busunternehmer Philipp Hörmann, berichtete. „Unsere Fahrer wollten angesichts des Schicksals der Flüchtlinge ihren Beitrag leisten – und auch für uns als Unternehmen ist es selbstverständlich, zu helfen, wenn Menschen in Not sind“, sagte Hörmann.

Im Hotel Alpenhof warteten auch Karen Vaughan und ihr Ehemann Marco Ranalli auf die Flüchtlinge. Die Augsburger hatten 130 „Starter-Pakete“ für die Ukrainerinnen und Ukrainer gepackt. Für Kinder gab es Malstifte, Spielzeug und Süßigkeiten sowie Erstbedarf für Säuglinge. Die Spenden stammten von Freunden und Bekannten des Paares sowie vom Internationalen Kinderhaus Augsburg. „Wir haben gerade Platz im Haus, weil unsere Kinder bereits studieren, und wir werden auch eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen“, so Vaughan.

Zu den Helfern, die den Konvoi in die Ukraine begleiteten, gehörten auch Henryk Piech, Oberarzt am Universitätsklinikum, die Medizinstudenten Christoph West und Bruno Brito Da Rocha sowie Krankenschwestern Bernadeta Broza und Natalie Bartsch. „Aus den Erfahrungen unseres letzten Hilfseinsatzes hatten wir diesmal den Fokus auf Menschen gelegt, die ohne Hilfe das Land nicht verlassen könnten“, sagt Blobel, der bereits vor zwei Wochen Flüchtlinge von der Grenze nach Augsburg gebracht hat. Man habe mit einer örtlichen Hilfsorganisation gezielt alte, gebrechliche sowie behinderte Menschen sowie Mütter mit kleinen Kindern ausgewählt. Die älteste Mitfahrerin war eine 87 Jahre alte Frau, der jüngste ein 20 Tage alter Säugling.

In der Ukraine haben die Helfer erfahren, dass die in Deutschland zusammengestellten Lebensmittel-spenden nur bedingt hilfreich sind.„Es gibt kaum Wasser und keinen Strom, sodass beispielsweise Nudeln nicht gekocht werden können“, so Blobel. Nur schnell zuzubereitende Konserven könnten von den Menschen im Kriegsgebiet verwendet werden.

Die Geflüchteten wurden noch am Sonntagabend ins Übernacht-Hostel in der Innenstadt gebracht, das die Stadt zu diesem Zweck angemietet hat. Am Dienstag sollten die Menschen dann auf zentrale und de-zentrale Flüchtlingsunterkünfte in der Stadt verteilt werden.